Internationale Expansion: Warum multikulturelle Teams entscheidend sind

Wer international expandieren will, braucht mehr als ein gutes Produkt und ein motiviertes Team aus der Zentrale. Zwei Beispiele zeigen, warum lokale Marktkenntnis, interkulturelle Kompetenz und eine konsequent gelebte Teamsprache für die internationale Zusammenarbeit entscheidend sind.
Internationales Team im Austausch über globale Märkte und gemeinsame Strategien für die internationale Expansion.

Das Wichtigste in Kürze

Internationale Expansion: Warum lokale Perspektiven entscheidend sind

Ein Beispiel, das vor einiger Zeit in einem meiner Management-Treffen diskutiert wurde: Ein weltweit tätiges Unternehmen hatte sich die Türkei als nächsten Expansionsmarkt ausgesucht. Der Markt verzeichnete zu dieser Zeit zweistellige Wachstumsraten und bot weiteres Potenzial.

Das Management stellte deshalb ein eigenes Expansionsteam zusammen. Deutsche Ingenieure übernahmen die technischen Aufgaben, deutsche Vertriebsmitarbeiter arbeiteten sich zu Entscheidungsträgern vor und knüpften Kontakte zu potenziellen Kunden. Auch der CEO des Projekts war Deutscher. Das Ziel: der Aufbau einer eigenen Fabrik in Adana.

Das Projekt kam nicht zustande.

Rückblickend wäre ein multinationales Team die bessere Entscheidung gewesen. Denn beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen über Ländergrenzen hinweg spielen nicht nur technische Expertise und Vertriebskompetenz eine Rolle. Ebenso wichtig sind Kenntnisse des Zielmarktes, kultureller Besonderheiten und lokaler Entscheidungsprozesse.

Wer sich international aufstellen will, muss deshalb bereits bei der Zusammensetzung des eigenen Teams global denken.

„Wer international wachsen will, sollte die Perspektive des Zielmarktes nicht erst beim Markteintritt berücksichtigen. Sie gehört von Anfang an ins Team.“

Serpil Uensal, Expertin für Produktmanagement, Produktmarketing & Product-Driven Business Development

Was international aufgestellte Unternehmen anders machen

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel eines in Berlin ansässigen Unternehmens. Es holt gezielt Expertinnen und Experten aus den Ländern ins Team, in die es expandieren möchte.

Die Unternehmenssprache ist Englisch. Präsentationen werden grundsätzlich auf Englisch erstellt – selbst wenn ausschließlich deutsche Muttersprachler im Raum sitzen. Auch in Führungskräftetrainings werden interkulturelle Besonderheiten von Anfang an berücksichtigt.

Das klingt zunächst selbstverständlich. Doch genau diese vermeintlichen Kleinigkeiten entscheiden darüber, ob Internationalität lediglich auf dem Papier existiert oder tatsächlich im Arbeitsalltag gelebt wird. Wie schnell gut gemeinte Internationalität im Alltag schnell an seine Grenzen stößt, zeigt ein anderes Beispiel aus meinem Netzwerk.

Eine MBA-Absolventin von den Philippinen wurde einem internationalen Projekt zugewiesen. Ihr wurde zugesichert, dass die Zusammenarbeit auf Englisch stattfinden würde. Parallel nahm sie Deutschunterricht, stand beim Erlernen der Sprache jedoch noch ganz am Anfang.

Nach und nach wechselten die deutschsprachigen Teammitglieder im Arbeitsalltag wieder ins Deutsche – zunächst in einzelnen Situationen, später auch in Besprechungen. Damit war ihre Kollegin faktisch von Teilen der Kommunikation ausgeschlossen. Auch die E-Mail-Korrespondenz wurde zunehmend auf Deutsch geführt.

Es dauerte nicht lange, bis sie das Projekt enttäuscht verließ.

Das Beispiel zeigt: Eine internationale Teamsprache festzulegen reicht nicht. Sie muss konsequent gelebt werden – in Meetings und Präsentationen ebenso wie in E-Mails und der alltäglichen Zusammenarbeit.

Was Forschung über multikulturelle Führungsteams zeigt

Auch wissenschaftliche und wirtschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit den Auswirkungen unterschiedlicher Perspektiven in Unternehmen.

Eine internationale Analyse von McKinsey aus dem Jahr 2023 mit mehr als 1.200 Unternehmen in 23 Ländern zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Diversität in Führungsteams und finanzieller Performance. Unternehmen mit einer hohen Geschlechter- oder ethnischen Diversität in ihren Führungsteams hatten in der Untersuchung eine höhere Wahrscheinlichkeit, finanziell überdurchschnittlich abzuschneiden.

Wichtig ist dabei: Diversität allein garantiert keinen wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend ist auch, ob unterschiedliche Perspektiven im Unternehmen tatsächlich gehört und in Entscheidungen einbezogen werden.

Merkmal Nur behauptete Internationalität Gelebte Internationalität
Teamsprache Wechselt zurück zur Landessprache, sobald Muttersprachler in der Mehrheit sind Konsequent die vereinbarte Teamsprache, auch unter sich
Teamzusammensetzung Ausschließlich aus dem Heimatland Mit Expertise aus dem Zielmarkt
Kommunikation Mündlich international, schriftlich zurück zur Landessprache Durchgängig in der vereinbarten Sprache, auch in E-Mails
Interkulturelle Kompetenz Nice-to-have Fester Bestandteil der Führungskräfteschulung

In 5 Schritten zu international handlungsfähigen Teams

Schritt 1: Teamsprache verbindlich festlegen (und durchsetzen!)
Eine gemeinsame Sprache für Meetings, Präsentationen und E-Mails definieren – und sie auch dann einhalten, wenn einzelne Teammitglieder gerade nicht anwesend sind.

Schritt 2: Expertise aus dem Zielmarkt frühzeitig einbinden
Menschen mit fundierter Markt- und Kulturkenntnis nicht erst punktuell konsultieren, sondern möglichst von Beginn an in das Projekt einbeziehen.

Schritt 3: Integration aktiv unterstützen
Im Team bewusst darauf achten, ob sprachliche oder kulturelle Barrieren entstehen und einzelne Personen von relevanter Kommunikation ausgeschlossen werden.

Schritt 4: Interkulturelle Kompetenz verankern
Interkulturelle Zusammenarbeit nicht als Zusatzthema behandeln, sondern in Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit berücksichtigen.

Schritt 5: Anspruch und Alltag regelmäßig abgleichen
Prüfen, ob die gelebte Zusammenarbeit noch zum eigenen internationalen Anspruch passt – insbesondere bei Teamsprache, Kommunikation und Zusammensetzung des Teams.

Fazit: Global denken beginnt im eigenen Team

Bei internationaler Expansion entscheidet nicht allein die Qualität des Produkts. Ebenso wichtig ist, ob Unternehmen die Perspektive des Zielmarktes verstehen und im eigenen Team berücksichtigen.

Wer lokale Expertise frühzeitig einbindet, eine gemeinsame Teamsprache konsequent lebt und aufmerksam dafür bleibt, ob einzelne Teammitglieder sprachlich oder kulturell ausgeschlossen werden, schafft bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit.

Internationalität beginnt deshalb nicht erst beim Markteintritt. Sie beginnt im eigenen Unternehmen.

Häufig gestellte Fragen

Ein gutes Produkt allein garantiert noch keinen erfolgreichen Markteintritt. Auch Marktkenntnis, lokale Geschäftsgepflogenheiten, Kommunikation und die Zusammenarbeit im internationalen Team spielen eine wichtige Rolle.

Für Expansionsprojekte bedeutet es vor allem, unterschiedliche Perspektiven sowie Markt- und Kulturkenntnisse zusammenzubringen. Besonders wertvoll ist es, Expertise aus dem jeweiligen Zielmarkt frühzeitig einzubinden.
Indem die gemeinsame Teamsprache verbindlich für Meetings, E-Mails und Präsentationen festgelegt und insbesondere von Führungskräften konsequent vorgelebt wird.

Ja! Auch kleinere Unternehmen profitieren bei internationalen Aktivitäten davon, kulturelle Unterschiede frühzeitig zu berücksichtigen und gezielt Wissen über den jeweiligen Zielmarkt einzubinden.

Serpil Uensal

Trainerin, Coach & Beraterin für Produktmanagement

Serpil Uensal ist spezialisierte Trainerin, Coach und Beraterin mit über 20 Jahren Erfahrung in Produktmanagement, Produktmarketing und Strategie. Sie unterstützt Unternehmen und Produktteams dabei, ihre Produktkompetenz gezielt auszubauen und Wachstum zu gestalten – mit besonderer Expertise in Tech, MedTech und regulierten Märkten.

Zuletzt fachlich geprüft am 09.09.2026 • Diplom-Kauffrau (FH) • International Executive MBA • Zertifizierte Trainerin (dvct e.V.) • Zertifizierte Coach (dvct e.V.)

Serpil Uensal

Trainerin, Coach & Beraterin für Produktmanagement

Veröffentlicht: 10.04.2025
Zuletzt aktualisiert: 09.09.2026
Lesezeit: 5 Min.

Inhaltsverzeichnis

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