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World Café: Die Workshop-Methode, die viele Perspektiven zu einer gemeinsamen Richtung verbindet
Das Wichtigste in Kürze
- Das World Café entstand 1995 aus der Arbeit von Juanita Brown und David Isaacs und hat sich seitdem als Dialog- und Workshop-Methode etabliert.
- In mehreren Gesprächsrunden an kleinen Tischen wechseln die Teilnehmenden, während ein Tischgastgeber die Ideen der Runden miteinander verbindet.
- Die Methode eignet sich besonders, um vor einer strategischen Entscheidung möglichst viele Perspektiven sichtbar zu machen.
- Für sehr eng umrissene Einzelprobleme ist ein klassischer Workshop meist die passendere Wahl.
- Ohne konsequenten Transfer der Ergebnisse in den Alltag verpufft auch das beste World Café.
Ein Strategieprojekt, das Methodenvielfalt brauchte
Ein Projekt aus meiner Beratungspraxis war eingebunden in einen unternehmensweiten strategischen Umorientierungsprozess. Ich habe dieses Projekt über mehr als fünf Monate betreut.
Die Führungskräfte waren unterschiedlichen Workshop-Methoden gegenüber offen eingestellt. Das war keine Selbstverständlichkeit – und genau diese Offenheit hat den entscheidenden Unterschied gemacht: Sie führte zu einer Ausweitung der Lösungsmöglichkeiten und erst danach zu einer gezielten Konzentration auf konkrete Maßnahmen. Wer zu früh auf eine einzelne Lösung zusteuert, übersieht oft genau die Perspektive, die später den Unterschied gemacht hätte.
Die World-Café-Methode: Ursprung und Prinzip
Eine der Workshop-Methoden, die wir eingesetzt haben, heißt „World Café“ – eine hervorragende Art und Weise, um zu Lösungen jenseits der ausgetretenen Pfade zu kommen. Entwickelt wurde sie 1995 von Juanita Brown und David Isaacs. Heute wird die Methode in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt – von Strategie-Workshops über Veranstaltungen bis zu Beteiligungsprozessen.
Das Grundprinzip: Kleine Tische mit vier bis fünf Personen, mehrere aufeinanderfolgende Gesprächsrunden von jeweils rund 20 bis 30 Minuten, und nach jeder Runde ein Wechsel der Teilnehmenden zu einem anderen Tisch. Eine Person – der Tischgastgeber – bleibt dabei an ihrem Tisch und verbindet die Ideen der vorherigen Runde mit denen der neu ankommenden Gruppe. So entsteht über mehrere Runden hinweg ein Netz aus Gedanken, das kein einzelnes Plenumsgespräch erzeugen könnte.
„Bevor ein Team sich auf gezielte Maßnahmen konzentrieren kann, muss es erst einmal den vollen Raum an Möglichkeiten gesehen haben. Genau dafür ist das World Café da – nicht, um sofort Antworten zu liefern, sondern um allen eine Stimme zu geben.“
Serpil Uensal, Trainerin, Coach & Beraterin
Wie wir das World Café konkret aufgesetzt haben
Für unser Projekt haben wir ein Ambiente mit Café-Tischen geschaffen. Auf jedem Tisch lag eine Karte mit einem Problembereich als Thema – etwa Schnittstellen, Ressourcen, Management, Teams oder unternehmensspezifische Fragestellungen.
Die Mitarbeitenden wurden angehalten, sich zu diesen Herausforderungen zu äußern, sich von Tisch zu Tisch zu bewegen und dort weitere Anmerkungen zu hinterlassen. So stellten wir sicher, dass alle Beteiligten die Möglichkeit hatten, konstruktive Kritik und eigene Perspektiven einzubringen – unabhängig von Position oder Hierarchieebene.
Wofür die Methode geeignet ist – und wofür nicht
| Merkmal | World Café | Klassischer Workshop |
|---|---|---|
| Ziel | Breite an Perspektiven und kollektives Wissen sichtbar machen | Konkrete Lösung für eine klar umrissene Frage erarbeiten |
| Gruppengröße | Ab 12 bis mehrere hundert Teilnehmende | Meist kleinere, feste Gruppe |
| Ablauf | Mehrere Gesprächsrunden, Tischwechsel, ein Gastgeber bleibt am Tisch | Durchgehende Bearbeitung in derselben Konstellation |
| Ergebnis am Ende | Gebündelte Themen und Muster als Grundlage für die nächsten Schritte | Konkrete Maßnahmen oder Entscheidungen |
| Weniger geeignet für | Sehr eng umrissene Einzelprobleme | Breite Themen mit vielen Blickwinkeln |
Ablauf Ihres World Cafés
Schritt 1: Leitfragen pro Tisch festlegen
Konkret genug, um Impulse zu geben – offen genug, um echten Austausch zuzulassen.
Schritt 2: Café-Atmosphäre schaffen
Kleine Tische, 4 bis 5 Personen, entspannte Umgebung statt Frontalbestuhlung.
Schritt 3: Tischgastgeber bestimmen
Eine Person bleibt am Tisch und verbindet die Ideen der vorherigen mit der neuen Gruppe.
Schritt 4: Mehrere Runden mit Tischwechsel
Nach jeder Runde wechseln die Teilnehmenden, nur der Gastgeber bleibt.
Schritt 5: Ergebnisse bündeln (Harvesting)
Am Ende die wichtigsten Themen aus allen Tischen sichtbar zusammenführen und clustern.
Fazit: Erst die Breite, dann die Schärfe
Häufig gestellte Fragen
Was ist die World-Café-Methode?
Für welche Gruppengröße eignet sich ein World Café?
Das World Café eignet sich besonders für größere Gruppen und lässt sich bis zu mehreren hundert Teilnehmenden skalieren. Durch die Arbeit in kleinen Tischgruppen funktioniert die Methode aber auch in kleineren Runden.
Wofür eignet sich das World Café nicht?
Wie verhindert man, dass die Ergebnisse eines World Cafés im Sande verlaufen?
Quellen & weiterführende Informationen
Serpil Uensal
Trainerin, Coach & Beraterin für Produktmanagement
Serpil Uensal ist spezialisierte Trainerin, Coach und Beraterin mit über 20 Jahren Erfahrung in Produktmanagement, Produktmarketing und Strategie. Sie unterstützt Unternehmen und Produktteams dabei, ihre Produktkompetenz gezielt auszubauen und Wachstum zu gestalten – mit besonderer Expertise in Tech, MedTech und regulierten Märkten.
Zuletzt fachlich geprüft am 08.09.2026 • Diplom-Kauffrau (FH) • International Executive MBA • Zertifizierte Trainerin (dvct e.V.) • Zertifizierte Coach (dvct e.V.)
Serpil Uensal
Trainerin, Coach & Beraterin für Produktmanagement
Veröffentlicht: 20.08.2014
Zuletzt aktualisiert: 08.09.2026
Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis
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